Aller guten Dinge sind drei

LAG-Vorstand gibt grünes Licht für LEADER-Projekte in allen Wittgensteiner Kommunen

Wittgenstein, 25. Juni 2021. Seit 2016 rollt der LEADER-Zug durch Wittgenstein. Und hat ordentlich Fahrt aufgenommen: Aktuell befindet er sich auf dem hinteren Streckenabschnitt der laufenden Förderperiode, denn spätestens bis Sommer 2023 müssen alle Vorhaben umgesetzt sein. Der Vorstand der Lokalen Aktionsgruppe hat jetzt drei neuen Projekten grünes Licht gegeben, die nun beantragt werden können.

In der öffentlichen Ideenschmiede im März wurden diese Initiativen bereits vorgestellt. Alle drei Wittgensteiner Kommunen sind dabei vertreten. „Das ist ganz im Sinne von LEADER. Wichtig ist der Blick auf die gesamte Region, um dann gezielt die lokalen Bedürfnisse zu erkennen, die Potenziale zu nutzen und Projekte voranzutreiben“, findet Holger Saßmannshausen, Vorsitzender der Lokalen Aktionsgruppe der LEADER-Region Wittgenstein. „So können wir unsere regionale Identität stärken und durch gute Vernetzung und Zusammenarbeit gemeinsam weiterentwickeln.“

Bad Laasphe: Es werde Licht
In Bad Laasphe hat die TKS Tourismus, Kur und Stadtentwicklung Bad Laasphe GmbH eine leuchtende Idee: „Es werde Licht – Nacherholung zu jeder Zeit“. Es geht um neue Leuchten für den Kurpark. Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste der Stadt besuchen gern die Anlage. Um die Nutzungszeiten zu verlängern, soll eine neue Beleuchtung installiert werden. Alte Leuchtmittel sollen durch energiesparende LED-Laternen ersetzt, neue Aufsatzlampen installiert und mit Bewegungsmeldern ausgestattet werden. Die Lampen leuchten nur dann, wenn tatsächlich Licht gebraucht wird. Das System erfasst nur Bewegungen von Personen und geht nach wenigen Minuten wieder aus; Kleintiere, Marder oder Igel können weiter unbehelligt durch die Nacht streifen. Damit wird der Stromverbrauch der Straßenbeleuchtung deutlich reduziert – gut fürs Klima und für die Gemeindekasse. Gesamtprojektkosten: 68.000 Euro.

Erndtebrück: Schüler gestalten Schulhof der Zukunft
In Erndtebrück wird die Gemeinde mit dem Projekt „Schulhofgestaltung Realschule Erndtebrück“ aktiv: In einem Workshop planten die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer mit, wie ihr Schulhof in Zukunft gestaltet werden soll. Die Beteiligung der jungen Menschen an diesem Prozess hat Vorbildcharakter. Viele Wünsche und Ideen wurden zusammengetragen und abschließend die Entwürfe präsentiert. Nicht alle, aber wesentliche Merkmale der Arbeiten werden in die tatsächliche Umsetzung einfließen. Der Schulhof soll verschiedene Aufwertungen erfahren, angefangen beim Untergrund über einen überdachten Gang als Regenschutz bis hin zu neuen Angeboten der Pausengestaltung. Gesamtprojektkosten: 42.000 Euro.

Bad Berleburg: Bauen mit regionalem Holz
In Bad Berleburg ist die Stadtverwaltung „Auf dem Holzweg in die Zukunft – Nachhaltiges Bauen mit regionalem Holz“. Ziel ist es, Holz aus regionalen Beständen in allen Lebensbereichen stärker in den Fokus zu rücken. Vor zwei Jahren bereits initiierte die Kommune das Akteurs-Netzwerk Holz, das die Grundlage für das Projekt schuf. Diese Arbeit soll nun verstetigt werden: Mit einer Kampagne, mit Workshops und Veranstaltungen sowie einem „Holzweg“ als Lern- und Erlebnispfad entlang an bereits umgesetzten Referenz-Holzbaumaßnahmen, um zu zeigen, was mit Holz alles möglich ist. Für die professionelle Umsetzung des Projektes möchte die Stadt eine Personalstelle fördern lassen. Gesamtprojektkosten: 158.000 Euro.

Virtuelle Jahreshauptversammlung

Die Förderquote für die LEADER-Projekte liegt bei 65 Prozent, die Anträge müssen innerhalb eines Jahres bei der Bezirksregierung Arnsberg eingereicht werden. Bei positivem Bescheid können die Projektträger in die Umsetzung gehen. Die Projekte der aktuellen Förderphase müssen bis Mitte 2023 umgesetzt sein.

Diese Fristen waren auch Thema bei der virtuellen Jahreshauptversammlung der LAG Region Wittgenstein e.V. Vorweg standen personelle Neubesetzungen im Vorstand an: Nach dem Ausscheiden von Stefan Berk fungiert nun Kerstin Grünert als stellvertretende Vereinsvorsitzende. Ihr Stellvertreter ist Daniel Seyfried.

Der Bericht des Regionalmanagements zeigte u.a. den zeitlichen Ablauf für die laufende Förderperiode auf. Für die Übergangszeit von 2021/22 wurden der Region zusätzlich Mittel in Höhe von rund 350.000 Euro bewilligt. Das Gesamtbudget erhöhte sich damit auf 2,14 Millionen Euro. So können zu den 34 bisher beschlossenen Projekten weitere hinzukommen.

Wie bereits gesondert berichtet, ist auch die Förderung von Kleinprojekten in der LEADER-Region in diesem Jahr wieder sehr gut angenommen worden. 19 Maßnahmen, davon 17 in privater Trägerschaft, mit einem Investitionsvolumen von rund 260.000 Euro sind in der Umsetzung. „Es sind wieder super Ideen dabei“, freut sich Holger Saßmannshausen. „Wenn die Maßnahmen einzeln betrachtet eher klein sind, so leisten sie insgesamt gesehen einen großen Beitrag für die Verbesserung der Lebensqualität in der LEADER-Region Wittgenstein.“

Kleine Projekte mit großer Wirkung

LEADER-Region Wittgenstein gibt Startschuss für 19 Kleinprojekte

Wittgenstein, 28. Mai 2021. Die Kleinprojekte-Förderung in der LEADER-Region Wittgenstein geht in die zweite Runde. Dabei werden die unterschiedlichsten Ideen von Vereinen, Initiativen und den Kommunen in Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück unterstützt. Die Gesamtsumme aller Projekte liegt bei 250.000 Euro. In diesem Jahr können 19 Maßnahmen von der Förderung profitieren.

Auch in diesem Jahr ist vor allem das Engagement der Vereine wieder sehr groß. „Das Ehrenamt ist und bleibt den Wittgensteinern ein sehr wichtiges Anliegen“, betont Holger Saßmannshausen als Vorsitzender der LEADER-Region Wittgenstein. Gerade deshalb sei es eine hervorragende Gelegenheit, die Belange der einzelnen Initiativen mit dem besonderen Bonus umzusetzen. Denn die Kleinprojekte haben große Wirkung und die 80-prozentige Förderung entlastet spürbar die Gemeinschaftskasse.

Dass aktuell auch noch einige Projektbewerbungen, die es 2020 in den Bewertungen nicht nach ganz oben geschafft hatten, zum Zuge kommen, freut Holger Saßmannshausen besonders: „Es ist schön, den Initiativen aus dem vorherigen Jahr nun ein positives Feedback geben zu können.“ Die Fördersumme des Landes NRW liegt mit 180.000 Euro (2020: 135.000 Euro) in diesem Jahr nochmal höher, den regionalen Kofinanzierungsanteil von 20.000 Euro tragen wieder die drei Wittgensteiner Kommunen. Durch das höhere Gesamtvolumen können in diesem Jahr 19 Projekte umgesetzt werden, im Vorjahr waren es 14 Projekte.

Die Liste der Ideen und Maßnahmen ist nicht nur lang, sondern auch bunt. Um einige zu nennen: Es geht von der Streaming-Wiese im Freibad Hesselbach über die nachhaltige Umgestaltung und funktionale Weiterentwicklung des Schützenheims des SV Birkelbach bis hin zum Kleinspielfeld für Beachsoccer und Beachvolleyball des TuS Dotzlar. Die Stadt Bad Berleburg möchte die Grund- und Nahversorgungszentren in den Dörfern stärken und als Grundlage ein Konzept mit Analyse, Weiterentwicklung, Handlungsempfehlungen erstellen lassen. Entlang des Ilsepfads will der SGV Oberes Lahntal-Feudingen eine Jahresbaumallee mit Infotafeln für Wanderer an schönen Aussichtspunkten anlegen. Der Schießverein Erndtebrück plant den Ausbau der digitalen und räumlichen Infrastruktur im Schießheim am Fuchsrain.

Nun hat die Bezirksregierung Arnsberg der LAG Region Wittgenstein als Antragsteller für die 19 Kleinprojekte „grünes Licht“ gegeben, somit können die Maßnahmen umgesetzt werden. Bis spätestens 21. November 2021 müssen alle Projekte abgeschlossen sein. Da im vergangenen Jahr alles reibungslos funktioniert hat, ist Holger Saßmannshausen guter Dinge, dass einer positiven Umsetzung auch diesmal nichts im Wege steht: „Das Förderinstrument ‚Kleinprojekte‘, das exklusiv allen LEADER-Regionen zur Verfügung steht, bringt insgesamt einen Mehrwert für unsere Region. Das hängt nicht allein vom Fördergeld ab, entscheidend sind die Ideen und das Engagement der Menschen vor Ort, um diese Projekte auch umzusetzen.“

Überblick: Kleinprojekte 2021

  • Stärkung der Grund- und Nahversorgung: Mit regionalen Produkten und guter Vernetzung unsere Dörfer attraktiv für die Zukunft aufstellen (Stadt Bad Berleburg)
  • Jahresbaumallee (SGV Oberes Lahntal-Feudingen)
  • Der heimische Wald als außerschulischer Lernort der Wiederbewaldung (Stadt Bad Laasphe)
  • Streaming-Wiese und DDIS Freibad Hesselbach (Förderverein Freibad Hesselbach)
  • Barrierearme Vermittlung von Kultur und Wissen in Wittgenstein (BLB-Tourismus GmbH)
  • Nachhaltige Umgestaltung und funktionale Weiterentwicklung des Schützenheims (SV Birkelbach)
  • Digitale Infrastruktur und Kultur-/Kommunikationstreffpunkt der Gemeinde Erndtebrück (Schießverein Erndtebrück)
  • Kleinfeldanlage für Beachsoccer und Beachvolleyball (TuS Dotzlar)
  • Umbau vom Tennisplatz zum Kleinspielfeld (TuS Schwarzenau)
  • Neugestaltung des Schank- und Thekenbereiches der Kulturhalle „Wittgenstein“ Dotzlar (Kultur- und Heimatverein Dotzlar)
  • Modernisierung der Beleuchtung in der Pulverwaldhalle: Umstellung auf LED-Technik (TuS Erndtebrück)
  • Gemeinsam schmieden, backen & baden – Wittgensteiner Handwerkskunst und Ortsgeschichte neu erleben (Heimatverein Arfeld)
  • Überdachung Musikplatz und Kleinkunstbühne (Schützenverein Berghausen)
  • Historischer Dorfbrunnen in der Oberndorfer Dorfmitte (Oberndorf)
  • Dorfgemeinschaftshaus Hemschlar: Substanzerhaltung (Dorfverein Hemschlar)
  • Erneuerung Küchenzeile in der Schutzhütte (Dorfverein Niederlaasphe)
  • Kultur mobil – Mobile Lautsprecheranlage und Beleuchtung (Kulturgemeinde Bad Berleburg)
  • Graffiti Kunst – Beton wird Naturbild mit städtischen Besonderheiten (TKS Bad Laasphe)
  • Uhr auf dem Wilhelmsplatz (TKS Bad Laasphe)

Ein Rad greift ins andere

LEADER-Vorstudie zur Errichtung eines E-Bike-Verleihsystems in ländlichen Kommunen in Wittgenstein sowie Schmallenberg und Winterberg 

Fahrradfahren hält fit, ist umweltfreundlich und zugleich auch eine effiziente Art der Fortbewegung. In den vergangenen Jahren sind viele auf ein eBike umgestiegen, denn Radfahren mit elektrischem Antrieb sorgt gerade in Mittelgebirgsregionen für neuen Fahrspaß. Diesem Trend folgte die LEADER-Region Wittgenstein mit ihrem Projekt zum Ausbau von E-Bike-Verleihangeboten in Kooperation mit den benachbarten LEADER-Regionen „4 Mitten im Sauerland“ und „Hochsauerland“. „Das ist natürlich ein komplexes, aber auch ein sehr spannendes Thema“, sagt Holger Saßmannshausen, Vorsitzender der LAG-Region Wittgenstein, die das Projekt beantragt und die durchgeführt hat. „Die Ergebnisse der Vorstudie sind ein wichtiger Beitrag zum Ausbau eines nachhaltigen Mobilitätskonzepts in unserer Region.“

Pedelec-Fahrer kommen weit herum, wenn sie unterwegs sind. Dank der Motorunterstützung ist ihr Radius weitaus größer als bei denjenigen, die aus reiner Muskelkraft ihr Rad auf Touren bringen. Gern radeln sie auch über die Stadtgrenzen hinaus. Aus diesem Grund wurde die Projektregion groß gefasst: Die Vor-studie zur Einrichtung eines eBike-Verleihsystem bezieht sich auf die Region Wittgenstein mit Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück sowie das Schmallenberger Sauerland und Winterberger Sauerland. Kooperationspartner waren dabei die Kommunen und die touristischen Leistungsträger.

Das zentrale Ziel kurz zusammengefasst: Über ein einheitliches Verleihsystem soll ein eBike-Angebot Gästen bzw. Einheimischen für die gesamte Region zur Verfügung gestellt werden. Mit den verschiedenen Stationen können Fahrräder flexibel und zeitlich unabhängig von den Öffnungszeiten von Servicestellen ausgeliehen und zurückgebracht werden. Durch verstärkte Netzwerkbildung zwischen Betrieben und Initiativen soll die Region insgesamt als eBike-Destination bekannter werden.

Mit der Erarbeitung der Studie beauftragte die LAG das Büro für Stadt- und Verkehrsplanung (BSV) Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH, Aachen in Arbeitsgemeinschaft mit dem Büro raumkom – Institut für Raumentwicklung und Kommunikation, Trier. Projektverantwortliche war Dr.-Ing. Katja Engelen (BSV). Unter ihrer Regie wurden von Dezember 2019 bis August 2020 fünf öffentliche Workshops durchgeführt. Thematisiert wurden dabei auch schwierige Rahmenbedingungen wie den bundesweit stagnierenden Markt des Fahrradverleihs, die schwer erreichbare Wirtschaftlichkeit des Betriebs sowie stark unterschiedliche kommunale Ausgangsbedingungen für ein flächendeckendes einheitliches System. Dem gegenüber stützt sich die Vorstudie aber auf positive Aspekte zugunsten von Umwelt, Gesundheit, regionaler Wertschöpfung und Synergien beim Infrastrukturaufbau.

Im Ergebnis steht ein 10-Punkte-Programm für das weitere Vorgehen:

  1. Aufstellung kommunaler Radverkehrskonzepte als eine Grundlage für nachhaltige Radverkehrsentwicklung (touristische und alltagbezogene Nutzungen) und die mögliche Verknüpfung mit Radverkehrskonzepten auf regionaler Ebene, z. B. Radverkehrskonzept des Kreises Siegen-Wittgenstein
  2. Erarbeitung von touristischen Radrouten mit Erlebnisfaktor
  3. Nutzungsmöglichkeiten von Wirtschaftswegen als Radverkehrsverbindungen abklären und realisieren
  4. Fahrradboxen nicht nur für Dauermieter anbieten
  5. Überprüfung der Einbindungsmöglichkeiten von Fahrradbussen
  6. ADFC-Zertifizierung RadReiseRegion
  7. Informationen über vorhandene Fahrradverleihangebote in der Projektregion bereitstellen, u.a. über die Homepages des Tourismus, Social-Media-Kanäle oder städtische Homepages
  8. Interesse an betrieblichem Mobilitätsmanagement in der Projektregion identifizieren
  9. Interesse der Hotellerie an einer Einrichtung und Teilnahme an einem E-Bike-Verleihsystem abfragen
  10. Fördermöglichkeiten zur Optimierung der Radverkehrsinfrastruktur nutzen

„Diese Handlungsempfehlungen können nun als Arbeitsgrundlage für die Weiterentwicklung der Projektidee genutzt werden“, erläutert Holger Saßmannshausen. „Es freut uns, dass die LEADER-Region das Projekt in Kooperation mit den Nachbarstädten breit aufstellen und interkommunal verknüpfen konnte.“ Die Kosten für die Vorstudie belaufen sich auf knapp 36.000 Euro; 65 Prozent der Summe wurde durch LEADER gefördert, den Eigenanteil übernahmen die beteiligten Kommunen, die das Projekt gemeinsam getragen haben. Zum Abschluss verständigten die Teilnehmer sich darauf, gemeinsam mit weiteren Beteiligten mögliche, regionale Maßnahmen des Ausbaus von Infrastruktur und Angeboten für das touristische und alltagsbezogene Radfahren zu prüfen und zu konkretisieren.

LEADER stärkt Heimatregion nachhaltig

Austausch, Vernetzung, Kooperation zur Stärkung der Heimatregion: Das ist LEADER – und gut für das Wittgensteiner Land. Die EU-Förder-maßnahme „Liaison entre actions de développement de l’économie rurale“ (LEADER) unterstützt derzeit 321 ländliche Regionen in Deutschland bei ihrer Entwicklung. Auch Wittgenstein ist dabei. Das Projektbudget für die aktuelle Förderperiode liegt bei rund 1,8 Millionen Euro, zentrales Förderinstrument ist der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).

So funktioniert’s: Bottom-up
Das Prinzip folgt von unten nach oben – also Bottom-up. Bürgerinnen und Bürger ländlicher Regionen entwickeln Ideen, Konzepte und Projekte, um die Lebensqualität in den Dörfern zu entfalten, zu gestalten und zu erhalten. „Im Ergebnis steht ein nachhaltiger Entwicklungs-prozess – diesen spiegeln auch die insgesamt 42 Förderprojekte wider, die seit 2016 in Wittgenstein entwickelt wurden“, freut sich der Holger Saßmannshausen, Vorsitzender der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) der heimischen LEADER-Region. „Voraussetzung ist natürlich ein starkes Team: Basis des Erfolgs ist konstruktive und verlässliche Zusammenarbeit im Vorstand und seitens der Kommunen.“

Zum geschäftsführenden Vorstand gehören Stefan Berk (1. stellv. Vorsitzender) und Thomas Dörr (2. stellv. Vorsitzender) sowie die Bürgermeister der drei Wittgensteiner Kommunen, Bernd Fuhrmann (Bad Berleburg), Dirk Terlinden (Bad Laasphe) und Henning Gronau (Erndtebrück). Der LAG-Vorstand hat 18 Mitglieder, die verschiedene Interessengruppen aus den Bereichen Wirtschaft und Soziales vertreten; sie entscheiden, wie das Geld eingesetzt wird. Das Regionalmanagement berät und begleitet die Antragsteller durch die Projekte.

Trotz Turbulenzen: Positive Bilanz 2020
Die Mittel für die aktuelle Förderperiode 2014-2020 sind zu 97 Prozent gebunden. „Die knapp 1,8 Millionen, die der Region zur Verfügung standen, sind zu fast komplett ausgegeben. Die Bilanz 2020 kann sich sehen lassen“, findet Holger Saßmannshausen.
Dabei war das Jahr auch aus LEADER-Sicht turbulent, gekennzeichnet durch die Unwägbarkeiten der Coronapandemie und den personellen Wechseln im Regionalmanagement. Einzige Konstante im Team ist nach wie vor Jens Steinhoff. Da Carolin Lünser in Elternzeit ging und Ines Wünnemann sich beruflich verändern wollte, ergab sich eine neue Zusammensetzung: Seit Mai 2020 sind Stefanie August und Andreas Bernshausen im Regionalmanagement tätig.

Dass die LEADER-Region auf einem sehr guten Weg ist, attestierte auch Sabine Möglich-Bangemann, zuständige Dezernentin bei der Bezirksregierung Arnsberg, in der LAG-Sitzung Anfang Dezember. So habe sich die Quote bewilligter Projekte innerhalb des Jahres mehr als verdoppelt: Aktuell liegt Wittgenstein bei 84 Prozent.

Kleine Projekte: Große Wirkung
Die LEADER-Region initiierte in diesem Jahr erstmals auch Kleinprojekte. Dafür stellte das Land Mittel in Höhe von 135.000 Euro bereit, die drei Wittgensteiner Kommunen brachten den erforderlichen Eigenanteil von zehn Prozent für die LAG ein. Die Kleinprojekte-Förderung zielt insbesondere auf investive Maßnahmen ab und spricht vor allem Vereine an. Dabei liegt die Projektsumme bei maximal 20.000 Euro, die Förderquote bei 80 Prozent. Für viele eine lukrative Sache. „Nach dem Aufruf im Mai hatten wir mehr als 40 Bewerbungen und waren völlig überzeichnet“, berichtet der LAG-Vorsitzende. 14 Vorhaben wurden ausgewählt.

Auch kleine Projekte können durchaus große Wirkung zeigen: ob mit der neuen Weihnachtsbeleuchtung für die Ortskerne in Erndtebrück und Diedenshausen, ob mit dem Erhalt der Wilhelmseiche in Bad Laasphe oder mit dem barrierefreien Bodentrampolin für das Abenteuerdorf Wittgenstein. „Das sind richtige Erfolgsgeschichten“, meint Holger Saßmannshausen. Auch für das Jahr 2021 gibt das Land wieder Fördermittel für Kleinprojekte. Folgerichtig hat der LAG-Vorstand in seiner Dezember-Sitzung „die Inanspruchnahme der maximal möglichen Kleinprojektförderung“ befürwortet. Sobald die Höhe des Förderbetrags bekannt ist, soll wieder ein Projektaufruf folgen.

Starke Ideen: LEADER unterstützt
Die Förderperiode 2014-2020 neigt sich zwar dem Ende entgegen, aber die Projekte laufen weiter und müssen bis Ende des Jahres 2022 ausfinanziert sein. „Natürlich werden wir auch im kommenden Jahr die Projektträger, die mit ihren Ideen die Region stärken und voranbringen, weiter unterstützen“, versichert Holger Saßmannshausen. Denn vom Land werden für die zweijährige Übergangsphase zur neuen EU-Förderperiode zusätzliche Fördermittel bereitgestellt.

Der Blick nach vorn richtet sich auf die nächste EU-Förderperiode 2021-2027: Laut Bezirksregierung Arnsberg und Umweltministerium NRW startet im Jahr 2021 das Bewerbungsverfahren für die Regionen um die künftige LEADER-Förderung. Die Auswahl der Förderregionen soll dann im Jahr 2022 erfolgen. Der LAG-Vorstand wird daher im nächsten Jahr die Weichen zum künftigen LEADER-Prozess in der Region Wittgenstein stellen.

Neue Weihnachtsbeleuchtung in Diedenshausen

Lichtblicke in Diedenshausen: In der Advents- und Weihnachtszeit geht täglich um 16.30 Uhr im historischen Ortskern die Weihnachtsbeleuchtung an. Das Dorf erstrahlt in hellem Glanz – dank des großen Engagements vor Ort und dank der finanziellen Förderung durch LEADER-Kleinprojekte.

Das Regionalbudget für Kleinprojekte folgt derselben Grundidee wie das LEADER-Programm: Es gilt das Bottom-up-Prinzip, das „von unten nach oben“ funktioniert. Die Initiatoren der Kleinprojekte bringen ihre Ideen ein. Sind sie im Bewerberfeld vorn mit dabei, profitieren von einer attraktiven Förderung (mehr Infos unter “Kleinprojekte”).

Die Bewerbung der Organisatoren des Diedenshäuser Weihnachtsmarkts um eine neue Beleuchtung war erfolgreich. Gemeinsam machten sich die Diedenshäuser an Werk und brachten Straßenüberspannungen und Lichterketten an. “Unser herzliches Dankeschön geht an alle Helfer und natürlich an alle Hauseigentümer, die ihre Gebäude zur Befestigung und zudem den Strom bereitstellen”, betont das Orga-Team. Dank geht auch an das LEADER-Team: “Für die gute Zusammenarbeit während der Projektphase.”

Mit dieser Aktion setzt Diedenshausen mehr als ein Zeichen: Auch ohne Weihnachtsmarkt-Event erstrahlt das Dorf im festlichen Lichterglanz. Bis zum 6. Januar 2021 wird es ein schmucker Lichtblick sein. Besucher sind zum Spaziergang durch das Lichtermeer herzlich eingeladen. Zum anderen setzen die Diedenshäuser auf Energieeinsparung durch nachhaltige Technik: Die Weihnachtsbeleuchtung wurde komplett auf LED umgestellt.

Kleinprojekt “Denkmal Laaspher Wilhelmseiche – die Eiche lebt unter uns weiter.”

Grandiose 5 m Eichenbank und Eichenpult finden Weg auf Wilhelmsplatz zurück.

Sagenhafte 293 Jahre ist es her, als in mitten der Lahnstadt eine Eiche gepflanzt wurde. Über die Jahre wurde sie zu einem sehr beliebten Baum an der früheren Hauptverkehrsachse und heutigen B62, der bis 2018 rastende Wanderer oder Ruhesuchende auf den unter ihm liegenden Bänken beschatte.

2018 bestätigte ein Gutachten, dass die Wurzel des alten Baumes von Keimen befallen ist und er über kurz oder lang umkippen wird. Damit war er nicht mehr haltbar und musste schweren Herzens gefällt werden. Die Eiche war schon fast ein Wahrzeichen und aus dem Stadtbild kaum wegzudenken, so dass nicht wenige Bürger hier die ein oder anderen Träne verdrücken mussten. Am selben Ort konnte durch eine Spende aus der Bevölkerung derweil eine neue Eiche gepflanzt werden, natürlich noch nicht so groß. Aber auch sie wird, wie ihr Vorgänger, die Geschichte Bad Laasphes miterleben.

Und niemals geht man so ganz … dachte sich die TKS Bad Laasphe und sicherte sich durch den Bauhof der Stadt Bad Laasphe den hauptsächlichen Stamm der riesigen Eiche. Nach Rücksprache mit einigen Bürgern und Vereinen entstand die Idee aus dem vorhandenen Stamm eine große Ruhebank sowie zusätzlich ein Pult mit eingravierten markanten Daten aus der Lebenszeit der Eiche zu erstellen.

Der Leader-Kleinprojekte-Antrag wurde geschrieben, eingereicht und bewilligt und man konnte Mitte diesen Jahres loslegen. Hier geht der Dank an Tasso Wolzenburg, der als bekannter Wittgensteiner Baumliebhaber perfekt mit seiner Stil-Motorsäge umzugehen weiß. So hat er aus dem Stamm eine 5m lange Sitzbank gezaubert, die zum Verweilen einlädt. Ob nach einer Wanderung, beim Warten auf den Bus, beim Plausch mit Bekannten oder um die touristischen Unterlagen der Stadt zu lesen… auf der mit allen 21 Ortsteilbildern der Stadt Bad Laasphe verzierten Bank finden mindestens 8 Personen einen Platz. Die beiden Enden des Stammes ziert das Laaspher Stadtwappen sowie ein Eichenblatt. So soll ein jeder sich selbst und seinen Ortsteil in der Bank wiederfinden.

Herr Wolzenburg freute sich über die Zusammenarbeit und meint: „Dass ich an diesem wirklichen Naturdenkmal Fantasie und Geschick anlegen durfte, war ein gutes Gefühl. Ich hatte zu jeder Zeit großen Respekt vor diesem Baum! Ich hoffe, dass die alte Eiche somit für jeden Bürger in guter Erinnerung bleibt.“

Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Bad Laasphe Bauhof, ohne dessen Unterstützung der Transport sowie der Aufbau der tonnenschweren Denkmäler nicht möglich gewesen wäre.

Das aus einem weiteren Teil des Stammes geschaffene Pult zeigt auf seiner angeschrägten Seite die geschliffenen Jahresringe, in welche markante Daten aus der Lebenszeit der Eiche eingraviert wurden. Beispielsweise die ungefähre Pflanzung der Eiche sowie die Brandkatastrophen in Bad Laasphe oder die kommunale Gebietsreform. Gäste, die erstmals in Bad Laasphe sind, aber auch Bürger, lernen so inmitten der Stadt schon einige Highlights kennen und können sich mit der Geschichte der Stadt auf einfache und interessante Art und Weise auseinandersetzen. An dieser Stelle bedanken wir uns für die Hilfe von Herrn Heinrich Imhof, der bei der Recherche und Auswahl der markanten Geschichtsdaten behilflich war. Oberhalb des Pultes ist eine Brille angebracht, die den Blick auf das Bad Laaspher Schloß Wittgenstein freigibt und als Bilderrahmen für ein weiteres markantes Laaspher Motiv dient.

Die TKS Bad Laasphe freut sich, mit der Unterstützung von LEADER-Kleinprojekte die einst beliebte riesige Eiche in diesen beiden Kunstwerken weiterleben zu lassen und lädt jeden ein, hier in Ruhe die Geschichte der Stadt auf sich wirken zu lassen.

Fahrradservicestation Niederlaasphe

Projekt „Entspanntes Radeln in der Natur – Schnelle Hilfe bei Pannen im Nirgendwo“ abgeschlossen

TKS erstellt drei Fahrrad-Reparaturstationen am Lahnradweg

Wer kennt es nicht? Man ist auf einer Radtour am Wochenende unterwegs und das Rad verliert Luft oder eine Schraube hat sich nach rasanter Abfahrt von der Lahnquelle leicht gelöst. Nicht immer hat man den passenden Schraubenschlüssel oder die Luftpumpe dabei. Was folgt? Der Ausflug ist beendet und getreu dem Motto „Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt“ kommt nicht gerade gute Laune auf. Besonders nicht, wenn die Misere mitten in der Natur passiert.

Pannenhilfe kostenlos und rund um die Uhr

Die naturnahen und abgelegenen Wege in der weitläufigen Landschaft machen das Radfahren in Bad Laasphe bei Touristen und Einheimischen sehr beliebt. Die Vorteile von unberührter Natur führen häufig den Nachteil mit sich, dass der Handyempfang mitten im Nirgendwo nicht der beste ist: Das kann im Falle einer Panne zum Problem werden. Durch teils steile Passagen und unbefestigte Waldwege verliert der Reifen schnell mal ein wenig Luft oder eine Schraube löst sich durch Vibration. „Wer dann kein passendes Werkzeug dabeihat, müsste schieben“, sagt TKS-Geschäftsführerin Signe Friedreich.

Sie erklärt die Intention des Projektes: „Wir sind eine Destination an einem der bekanntesten Radwege in Deutschland. Da dürfen solche Servicestationen einfach nicht fehlen.“ Mit den Fahrradservicestellen können Radfahrer ihr Fahrrad kostenlos und jederzeit auf Vordermann bringen. Signe Friedreich: „Wir wollen damit ein Gefühl der Sicherheit mitten in der Natur vermitteln und die Radwege qualitativ aufwerten.“ Dabei sollen die Stationen keineswegs den Service der lokalen Radservice-Ge-schäfte ersetzen, sondern vielmehr „erste Hilfe“ im Notfall leisten und sich mit dem Service der Werkstätten ergänzen. Auf jeder Station weist eine Darstellung auf nächste Stationspunkte und deren Entfernung sowie zusätzlich auf die jeweils nächst-gelegene Radwerkstatt hin und informiert über deren Kontaktdaten sowie Öffnungszeiten. Die dargestellten Radwerkstätten Fahrrad-Wege (Feudingen), Fahrrad Heimes (Bad Laasphe) und Sport Balzer (Wallau) waren von der Idee gleich angetan und haben das Projekt befürwortet.

Die Idee zu den Servicestationen erhielt die TKS aus der Bevölkerung und formte diese zu Beginn des Jahres in einen Leader Antrag um. „Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Region Wittgenstein war sofort begeistert von der Idee“, sagt der LAG-Vorsitzende Holger Saßmannshausen. „Wir freuen uns sehr, dass das Projekt nun umgesetzt werden konnte.“ Die LEADER-Förderung deckt 65 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von rund 13.800 Euro, die restlichen knapp 4.900 Euro stemmt die TKS mit Eigenmitteln.

Abgelegene Standorte

An drei Standorten entlang der ersten Etappe des Lahnradwegs, die auf Laaspher Gebiet liegt, sind die Stationen jetzt montiert worden: Zu Beginn des Lahnradweges im Ortsteil Welschengeheu, zwischen Bermershausen und Saßmannshausen an der Walbachsmühle sowie am Ortsausgang Bad Laasphe/ Niederlaasphe. „Wir stellen die Pannenhelfer bewusst an Orten auf, an denen die Radfahrer sonst auf sich selbst angewiesen wären“, sagt Signe Friedreich.

Umfassende Ausstattung

Die pulverbeschichtete Stahl-Reparaturstationen wurden auf einem Betonfundament fest im Boden verankert. Ausgestattet sind sie mit allen wichtigen Werkzeugen, die an ausziehbaren Stahlseilen aus geflochtenem Edelstahl befestigt sind: Sechskant-Schlüsselset, Torx T-25, Reifenheber, 2 justierbare Schraubenschlüssel, Konusschlüssel, Phillips und Standard Schraubenzieher. Des Weiteren besteht an jeder Station eine Möglichkeit sein Rad aufzubocken sowie es an einer Reifeneinschiebestelle sicher aufzupumpen. Die Stationen sind so konzipiert, dass die Wartung unterschiedlicher Räder für Jeden problemlos möglich ist.

Durch den Aufbau der Stationen erfahren Bad Laasphes Radwege insbesondere der vielbenutzte Lahnradweg eine qualitative Aufwertung, indem sie den Fahrradfahrern auch auf abgelegen Wegen flächendeckenden Service und Sicherheit bieten.

Autor: Tourismus, Kur und Stadtentwicklung Bad Laasphe GmbH, Signe Friedreich

Grüne Klassenzimmer für alle Grundschulen

Stadt Bad Berleburg startet Projekt zum Lernen in der Natur – dank LEADER-Förderung in Höhe von 100.000 Euro

Bad Berleburg, 12. Oktober 2020. Raus aus der Schule – rein in die Natur: Zukünftig können die Kinder an allen Grundschulen im Bad Berleburger Stadtgebiet im sogenannten „Grünen Klassenzimmer“ die Pflanzen- und Tierwelt und ihre Vielfalt entdecken und erleben. Die mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2020 ausgezeichnete Stadt Bad Berleburg möchte den Weg zu nachhaltigem Handeln und Angeboten auch in den Grundschulen fortsetzen. Unterstützt wird sie bei ihrem Vorhaben mit Geld aus dem Fördertopf der LEADER-Region Wittgenstein. Vorsitzender Holger Saßmannshausen freute sich, jetzt den Zuwendungsbescheid der Bezirksregierung Arnsberg an Bürgermeister Bernd Fuhrmann überreichen zu können.

Von der Idee bis zur Umsetzung war es in diesem Fall ein kurzer Weg: Im April hatte der Förderverein der Grundschule Dotzlar den ersten Impuls zum Bau eines Grünen Klassenzimmers gegeben. Nach einigen Abstimmungsgespräche stand Mitte Mai die grobe Skizze für das Projekt „Grüne Klassenzimmer und Oasen an allen Grundschulen – in unserem Naturraum gibt es viel zu entdecken!“. Mit dem Beschluss durch die Lokale Aktionsgruppe der LEADER-Region im Juni konnte die Stadt Bad Berleburg in die Antragsstellung gehen. Im September lag die Bewilligung vor.

„Das war ein schneller Ablauf und ein schnelles Ineinandergreifen“, erklärten Bernd Fuhrmann und der Beigeordnete Volker Sonneborn als Projektleiter. Der LEADER-typische Bottom-up-Ansatz, der die lokalen Akteure in die Entscheidungsfindung einbezieht, sei beispielhaft umgesetzt worden. „Uns ist es wichtig, im Sinne von Nachhaltigkeit etwas zu bewegen. Zudem hat Bildung für uns eine hohe Relevanz.“ In dem Projekt läuft beides zusammen.

Im „Grüne Klassenzimmer“ kann das Lernen zu einer echten Erfahrung werden. Im Vordergrund steht das Mitmachen: Statt Theorie im Klassenzimmer geht es darum, durch das Lernen in der Natur durch den direkten Zugang Interesse, Neugier und Engagement für Tiere und Pflanzen sowie Natur- und Umweltschutz zu wecken. Praxisnah können die natürlichen Lebensräume erkundet und erforscht werden. Für die Lehrenden bietet das Grüne Klassenzimmer eine optimale Ergänzung und Vertiefung zu naturwissenschaftlichen Themen des Sachunterrichts. „Der Naturraum bietet neue Formen im didaktischen Konzept“, heißt es in der Projektbeschreibung.

In Aue-Wingeshausen und Schüllar-Wemlighausen gibt es bereits Grüne Klassenzimmer bzw. Oasen, die im Wesentlichen aus Spenden finanziert wurden. Auch an anderen Schulstandorten gab es Überlegungen zu einem grünen Außenraum. Und so wurde das Projekt dezentral für alle Berleburger Grundschulen angelegt. Geplant ist die Anschaffung von Sitzgelegenheiten und Sonnenschutz, möglichst aus Holz und passendem Unterbau mit Hackschnitzeln. In Ergänzung sind Maßnahmen an den Sportfreianlagen der Grundschulen geplant.

In dieser Umgebung soll das Lernen in der Natur zu einer echten Erfahrung werden. An dieser Stelle setzt auch der ökologische Pfad mit Informationstafeln an, der ab der Kulturhalle „Wittgenstein“ Dotzlar durch die Ederauen entlang des Ederradwegs nach Arfeld führt. Um am Startpunkt die Möglichkeit zur Toilettennutzung zu gewährleisten, sollen in diesem Zuge auch die sanitären Anlagen in der Kulturhalle saniert werden. „Vielen Dank für die Unterstützung“, waren sich die Schulleitungen und Esther Bätzel vom Verein für
Kultur- und Heimatpflege Dotzlar einig.

„Es ist ein tolles Projekt für kleine und große Naturforscher“, ist sich Holger Saßmannshausen sicher. „Auf diesem Weg werden Kinder für die Natur und auch für ihre Erhaltung und ihren Schutz sensibilisiert. Das Projekt hat eine wertvolle Perspektive und passt zu Bad Berleburg als ‚Global Nachhaltiger Kommune‘.“ Die Gesamtkosten liegen bei 160.000 Euro, LEADER übernimmt dabei dem 65-prozentigen Förderanteil in Höhe von gut 100.000 Euro.

Zwei weitere Bausteine für Zentrum Via Adrina in Arfeld

LEADER-Fördermittel in Höhe von 110.000 Euro für Projekte „Mehrgenerationentreffpunkt“ und „Dorfkinder“ / Übergreifende Zusammenarbeit mit Raumland

Arfeld, 27. August 2020. Das Zentrum Via Adrina ist der neue Dorfmittelpunkt von Arfeld: Das Gebäude auf dem ehemaligen Gelände der Schuhleistenfabrik Hartmann und sein Umfeld bieten eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten, die jetzt nochmal durch die Projekte „Mehrgenerationentreffpunkt“ und „Dorfkinder“ erweitert werden. Gleich zwei LEADER-Förderzusagen machen dies möglich.

So fügen sich am Zentrum Via Adrina verschiedene Bausteine zu einem stimmigen Gesamtbild. Bernd Fuhrmann, Bürgermeister der Stadt Bad Berleburg, findet es „bemerkenswert, wie es die Dorfgemeinschaft schafft, auch bei den aktuellen Projekten 35 Prozent Eigenleistungen einzubringen“. Dass gemeinsam mit Raumland auch ein dörferübergreifendes Projekt gelungen sei, zeige den Blick über den Tellerrand in beiden Dörfern. „Da möchte ich einfach mal ‚danke‘ sagen. Dieses Engagement ermöglicht es erst, etwas zu bewegen.“

Projekt der Stadt Bad Berleburg
Mit dem Vorhaben „Entwicklung eines attraktiven Mehrgenerationentreffpunktes im Edertal mit Darstellung der Geschichte der Schuhleistenfabrik Hartmann und des Umfeldes“ wird das Zentrum weiter mit Leben gefüllt und inhaltlich breiter aufgestellt. Projektträger ist die Stadt Bad Berleburg. Die Gesamtkosten liegen bei 119.000 Euro, der LEADER-Anteil beträgt 77.000 Euro – die Differenz stemmt der Gemeinschaftsverein Arfeld mit Eigenleistung und Spenden. „Das Projekt vereint die Nachhaltigkeit, Bildung und Historie optimal miteinander und stellt somit für alle Altersklassen einen großen Nutzen dar“, findet Holger Saßmannshausen, Vorsitzender der Lokalen Aktionsgruppe der LEADER-Region Wittgenstein.

Wie die Arfelder ihre Vergangenheit auf eine interessante Weise darstellen wollen, erklärt der Beigeordnete der Stadt Bad Berleburg, Volker Sonneborn: „Unser Anspruch ist, dass die Besucher die Geschichte der Firma Hartmann und des Umfeldes haptisch erleben und entdecken können.“ Im sogenannten Hartmann-Tunnel sind Exponate der ehemaligen Schuhleistenfabrik bzw. aus dem Industriemuseum zu sehen sowie eine Fotostrecke, die die Geschichte der früheren Edertalbahn darstellt. Im täglich geöffneten Eisenbahner-Café können die Gäste einige Relikte aus der früheren Schuhleistenfabrik entdecken.“ Auch eine Bildergalerie mit Luftbildern aller Ortschaften entlang der Eder, eine Aufwertung des angrenzenden städtischen Themen-Spielplatzes und drei Wohnmobilstellplätze sind Teil des LEADER-Projekts.

Gemeinschaftsverein fördert Dorfkinder
Das zweite Projekt „Dorfkinder lernen, forschen und spielen in der Natur“ hat der Gemeinschaftsverein Arfeld e.V. unter Vorsitz von Waldemar Kiel auf die Schienen gesetzt. Schauplatz ist u.a. der „Schacht“, durch den früher die Eisenbahntrasse mitten durch den Ort führte. Nachdem die Edertalbahn 1981 ihren Verkehr eingestellt hatte, entwickelte sich dort eine Wildnis, die nun mit einem Pfad zugänglich gemacht werden soll.

Die sich selbst überlassene vielfältige Vegetation ist bei diesem Projekt ein Sinnbild für die Nachhaltigkeit. Kinder und Jugendliche sollen dort Natur und Umwelt erkunden und erforschen. Vereinsvorsitzender Waldemar Kiel und Ortsvorsteher Kai-Uwe Jochims verdeutlichen die Zielrichtung: „Gemeinsam mit Jugendlichen wollen wir ein langfristiges Projekt entwickeln. So ist zum Beispiel die Anlage von Hochbeeten gemeinsam mit dem örtlichen Kindergarten geplant.“

In Kooperation mit dem Verein „Rumilingene – 1200 Jahre Raumland“ e.V. soll auch dörferübergreifend ein Artenschutzhaus errichtet werden. „Ein Schwalbennest am Reisegarten in Raumland war schon lange im Plan“, berichtet der Raumländer Ortsvorsteher Heinz Limper. Vereinsvorsitzender Wolfgang Grund freut sich: „Es wird eine spannende Aufgabe, das Projekt umzusetzen.“

Fachliche Unterstützungen bekommen die Naturforscher durch den Kreis Siegen-Wittgenstein und die Biologische Station. Die Projektkosten belaufen sich auf 49.000 Euro, LEADER übernimmt 32.000 Euro und die Differenz übernehmen die örtlichen Vereine.

Wasser auf die Mühle

LEADER-Förderung für Reallabor und Lehrpfad „Wasserkraft“ in Womelsdorf

Erndtebrück-Womelsdorf, 7. August 2020. Der LEADER-Bewilligungsbescheid ist quasi Wasser auf die Mühle Womelsdorf. Die Betreiber Bernd Föllmer und Johannes Wickel, auch Inhaber der Hydrostrom Wittgenstein GmbH, verfolgen dort ein Ziel mit hoher Aktualität: Die Mühle als Lieferant für Energie aus Wasserkraft soll modellhaft reaktiviert und öffentlich zugänglich werden. Jetzt bekamen sie die Zusage, dass ihr 73.000 Euro-Projekt zu 65 Prozent aus LEADER-Mitteln gefördert wird.

Das Mühlen- und Müllereiwesen ist ein fast vergessenes Handwerk. Nur am jährlichen Deutschen Mühlentag rückt die alte Kulturtechnik wieder in den Fokus: Dann können die Besucher auch die Mühle Womelsdorf als funktionierendes technisches Denkmal erleben. Das Angebot soll nun erweitert werden: Dazu soll regelmäßig ein Tag der offenen Tür eingerichtet und bei Führungen die Geschichte der Mühlen- und Wasserkrafttechniken erlebbar gemacht werden.

„Es ist ein anspruchsvolles Projekt, von dem die gesamte Region Wittgenstein profitieren kann“, findet Holger Saßmannshausen, Vorsitzender der LEADER-Region Wittgenstein. „Neben der geschichtlichen und kulturellen Aufarbeitung ist es auch ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz durch die Förderung der erneuerbaren Energie Wasserkraft.“ Dabei gehen Gesellschaft und Wissenschaft Hand in Hand: Zum einen soll die Womelsdorfer Mühle für ein breites Publikum geöffnet werden und die Besucher über die Mühlengeschichte und die Wasserkraftnutzung am Oberlauf der Eder informieren. Zum anderen will die Hydrostrom Wittgenstein GmbH in Zusammenarbeit mit Prof. Jensen vom Forschungsinstitut Wasser und Umwelt (fwu) der Universität Siegen ein Reallabor und einen Lehrpfad „Wasserkraft“ mit Schautafeln einrichten.

Als Mühlenbetreiber sind Bernd Föllmer und Johannes Wickel mit der Unterhaltung bzw. Wartung der Anlage sowie mit allen Komponenten der Wasserkrafttechnik sowie des Mühlenbauwerks bestens vertraut und bringen ihre fachliche Erfahrung in das Projekt ein. Neben dem Charme alter Technik möchten sie die Kooperation zwischen Gesellschaft und Wissenschaft in den Vordergrund stellen. Dabei kommt dem Forschungsinstitut Wasser und Umwelt der Universität Siegen eine zentrale Rolle zu. „Die Mühle eröffnet uns ein interessantes Forschungsumfeld“, sagt Prof. Dr.-Ing. Jürgen Jensen. „Spielt die Wasserkraft als erneuerbare Energiequelle bislang eine eher untergeordnete Rolle, so verfügt sie doch über enormes Potenzial.“

Durch ein experimentelles Umfeld sollen die Akzeptanz und Etablierung moderner Wasserkraftmaschinen verbessert werden. Interessierte wie z.B. auch Schüler und Studierende kommen dort zusammen, um gemeinsam Lösungen für Zukunftsfragen rund um Klimawandel und Energiewende zu erarbeiten und auszuprobieren. „Damit sollen nachhaltige Entwicklungen und Lösungen für die Energiewende unterstützt und in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft etabliert werden“, so das Ziel der Mühlenbetreiber. Weiterer Bestandteil dieser Führungen sind Vorträge und Seminare zum Thema Wasserkraft und Wasserkraftnutzung.

Ein weiteres Ziel ist die Errichtung eines dauerhaften Reallabors zur Untersuchung und Weiterentwicklung von Wasserkrafttechniken im Bereich der kinetischen Energieumwandlung. Zur aktiven Gestaltung der Mühle soll am Obergraben, der Zulauf der vorhandenen 34-kW-Kaplanturbine, ein Testbereich geschaffen werden. So kann der Mühlenstandort in die Lehre des Forschungsinstituts miteingebunden werden und als Ziel für Exkursionen/Praktika zum Thema „Wasserkraft“ dienen.